Ein Jahr später

……….. ein Jahr, ein Jahr hat es gedauert, aber nun ist es endlich soweit !!!!  Der Flug ist gebucht, das Hotel reserviert.

BLUE CORAL – direkt am Indischen Ozean – Asien – Sri Lanka – ich komme!
Nach den Ausführungen Wolfgangs, ihr wisst, dem „Penner“ mit dem Pappkoffer…. – wenn er dies lesen könnte, würde er mich mutmaßlich umbringen, muss es einfach ein Traumurlaub werden.  Für mich ist es klar, so schnell wie möglich losfahren. Es war ja noch eine ziemliche Anreise. Erst mit dem Zug nach Hamburg – umsteigen. Dann weiter nach Frankfurt. Ich weiß gar nicht mehr genau  wann der Flieger geht. Singapore Airlines, hört sich ja schon sehr exotisch an. Da ich immer der schnelle bin, würde ich überall mindestens fünf Stunden zu früh sein. Leider ist es ja von den Fahr- und Flugplänen abhängig und …… von Wolfgang, der ja mitreist und der, der hat die Ruhe weg. Am liebsten auf den letzten Drücker. So etwas macht mich wahnsinnig. Ihn zu überreden, eher am Bahnhof und eher am Flughafen zu sein ist entweder überhaupt nicht möglich, da dies ja mit Ausgaben verbunden wäre. Noch ein Käffchen hier und ein Sandwich da. Oh je, das geht ja überhaupt nicht – kost doch Geld.  Also heißt es Geduld, Geduld, Geduld. Sein Gepäck, was auch auf den letzten Moment  gepackt und gewogen wurde hatte, wie kann es anders sein, die Gewichtsgrenze der Bestimmungen  um ein vieles überschritten. Meine Bedenken schubste er mit dem Hinweis beiseite: „Stell dich nicht so an, immerhin sind wir zu zweit.“ Fällt nicht auf, du nimmst von mir was ab und ich von dir wenn meins durch ist, dann merkt es keiner – Schwitz. Der Pappkoffer des letzten Jahres war natürlich wieder mit von der Partie. Die obligatorischen Einkaufstüten ebenfalls. Wie im letzten Jahr – genau so!!! Ach nein, er hatte sich eine neue Videokamera gegönnt. Ich hatte mir eine von meinem Chef geliehen. Irgendwann war das Hickhack ums Gepäck geklärt, alles verstaut und der Termin der Abreise gekommen.

Natürlich musste ich ihm auf dem Weg zum Flughafen tragen helfen, wie kann es auch anders sein.

Frankfurt. Check in, genau wie er es gesagt hatte musste ich mit meinem und einem Teil seines Handgepäcks, dass ich nicht lache, das wog genauso viel wie mein ganzes Gepäck, etwas zurückbleiben. Frech wie Oskar stellte er seine Sachen auf die Waage, die Tickets wurden angeschnallt, durch war er. Gott sei Dank ging ’s bei mir ebenso reibungslos. Bordkarten, Sitzplätze, alles war okay und Handgepäck hatten wir im Überfluss. Wenn jemand auf die Idee gekommen wäre dies noch mal zu wiegen…… oh je.

Im Flugzeug, einer Boeing 707, schick, alles vom Feinsten. Wir verstauten die schrecklichen Tüten und die eigentlichen Handgepäckstücke in den dafür vorgesehenen Klappfächern über unseren Sitzen und natürlich in den Nebenfächern denn unsere bekamen wir kaum geschlossen.

Egal, wir waren drin!!! Mit knurrendem Magen und Riesendurst, denn wie schon gesagt, zwischendurch mal ein Snack… – unmöglich, kostet  Geld.

Die Verpflegung und der Service an Bord gingen aber nach dem Start sofort los – und wie. Da können  sich aber viele andere  Luftlinien eine Scheibe abschneiden. Gut ich bin noch nie Langstrecke geflogen, aber was hier geboten wurde, einfach der Hammer.  Essen vom feinsten, Getränke, nur das Beste und kostenfrei. Der Service nahm kein Ende. Nach einem Zwischenstopp in Bahrein wurde es ruhiger, da hatten der Wuffi und ich aber auch schon einen im Tee. Jaaa – Wuffi auch, kost doch nix. An schlafen war sowieso nicht zu denken, denn es waren Kleinkinder an Bord und der Geräuschpegel…. – wie es nun mal ist mit Kindern. Außerdem stiegen in Bahrain auch noch Singhalesen zu – warum, dazu komme ich noch und die schnatterten wie eine Gänseherde, ohne Unterlass. Was ich noch faszinierender fand, die hatten Handgepäck, dagegen war Wolfgangs nur ein winziges Kilolein zuviel. Die Frauen und Männer verstauten es einfach unter ihrem Sitz, zwischen ihren Beinen, wo auch nur ein Fitzelchen Platz war, wurde gestopft und gedrückt. Aber, es wurde alles verstaut.

Auf der zweiten Etappe wurde es etwas ruhiger, aber an schlafen war trotzdem nicht zu denken. So wurden mir von Wuffi noch einige Tipps und Verhaltensregeln gegeben, wie ich nach der Landung verfahren sollte. Zwischendurch immer mal wieder ein Campari-Orange, keine Ahnung der wievielte und dann…… ja , dann wurde es draußen orange, die Sonne ging auf. Plötzlich bekam ich einen Knuff, „ Los schnell ins Klo“ raunte Wolfgang mir zu. Mit etwas steifen Beinen begaben wir uns in die Bordtoilette, gerade noch rechtzeitig, denn als wir uns erfrischt hatten und das Örtchen verließen, hatte sich schon eine Anzahl anderer Fluggäste davor postiert, sicher mit der gleichen Absicht. Bei unserem Besuch war noch alles sauber und frisch, ich möchte nicht wissen wie es eine halbe Stunde später dort aussah. Kaum wieder auf unseren Sitzen, kam  der Trolli mit dem Frühstück. Danach ging alles ziemlich schnell, Durchsage der Bordcrew, wir werden in wenigen Augenblicken in Colombo  landen, bitte anschnallen, das Rauchen einstellen, die Sitze hochklappen, etc. Ein Blick aus dem Fenster: Unter uns dunkelblaues Wasser, Wellen mit weißen Köpfen selbst aus dieser Höhe sichtbar. Ja und dann, ein weißer Streifen voraus, dahinter ein tiefes Grün soweit das Auge blicken konnte, grün , grün und noch mal grün. In rasantem Tempo kam dieses grün näher, entpuppte sich zu Palmen, Palmen und wieder Palmen. Rumps, wackel, schüttel, klapper, infernalisches Gedröhne, wir waren gelandet. Palmen rasten vorbei, Die Luft im Flugzeug veränderte sich, roch etwas schweißig, undefinierbar, aber anders als noch vor einigen Minuten. Wir kamen nach einer mir unendlich scheinenden Zeit zum stehen. Der Blick aus dem Fenster war enttäuschend, grauer Asphalt. Ein altes langgestrecktes Gebäude, ein auf verrosteten Eisenträgern stehendes  Wasserbecken. Die Turbinen verstummten vollständig. Nun ging es los, Geschiebe – Gedrängel. Die Leute taten gerade so, als müssten sie den nächsten Bus bekommen.  Mein Wuffi schaute gleichmütig dem Trubel zu und blieb sitzen. „Lass bloß das Volk erst mal raus“ Ich war aufgeregt – wollte raus – frische Luft – schauen. „Sachte, sachte, lass dir Zeit sonst bist du gleich klitschenass, ich kann die Drängelei nicht ab!„ Ich gab nach, aber dann konnten auch wir unser Handgepäck nehmen, ohne angerempelt zu werden und gingen in Richtung Ausgang. Die Stewardess lächelte wissend, verabschiedete sich liebenswürdig, der Kapitän ebenso und dann bekam ich einen Schlag. Aus dem vollklimatisierten Flieger, ca. 20° kamen  wir in 35° Hitze, die mir den Atem nahm. Aber nicht nur die Wärme, auch der Duft oder Geruch, nennt es wie ihr wollt, einfach umwerfend. Ein Geruchssinn schafft es nicht die verschiedenen Stoffe auseinander zu halten. Nur Kerosin, gepaart mit Zimt, Brennholz, Moschus, Frangipani und dies sind nur einige wenige der vielen Düfte.

Nachdem ich festen Boden unter den Füßen hatte, merkte ich schon, dass mein T-Shirt, auf Anraten meines besten Freundes im Flugzeug noch gewechselt, feucht war.  Egal – da es keine Shuttles gab, wanderten wir zu Fuß zur Ankunftshalle, die vollklimatisiert war, das soll heißen: schweinekalt! Das Gewusel innerhalb der Halle und an den Gepäckbändern war unbeschreiblich. Dazwischen kleine braune Männchen in Röcken, die wenn sie mit anderen sprachen dermaßen mit dem Kopf wackelten, dass man jeden Augenblick mit Genickbruch rechnete. Auch vor uns standen innerhalb von Sekunden zehn dieser „Wackeldackel“ mit strahlenden Augen, lachenden zahnlosen  Mündern und wollten sich auf unser  Handgepäck stürzen. Nach Wolfgangs energischem “NO not now !!!„ – so laut hatte ich ihn noch nie reden gehört, lächelten diese Trolle weiter, ließen uns etwas Platz, machten aber nicht die geringsten Anstalten zu gehen. Bis zur Zollkontrolle blieben sie als Eskorte, waren plötzlich verschwunden und, als wir nach einer Stunde Formalitäten erledigen, endlich unsere Stempel im Pass hatten und mit sämtlichem Gepäck in der Empfangshalle standen, waren sie alle wieder da. Lächelnd, zahnlos und Kopfwackelnd. Wuffi  suchte zwei dieser Männchen aus erklärte ihnen per Hand und Kopfzeichen sowie einigen Wörtern englisch, dass wir zum Bahnhof müssten. Verstärktes Kopfwackeln und los ging es. Ein Gefühl wie zur englischen Kolonialzeit, sie schleppten unser ganzes Gepäck und wir liefen hinterher wie bornierte Landadelige. Nach der Eishalle bekam ich den nächsten Hitzeschwall zu spüren, mein leicht angetrocknetes kühles Hemd war in kürzester Zeit vollends durchgeschwitzt und am Zug angekommen, pladdernass.  Ächzend  bestiegen wir denselben und wieder ein Scock ! Eiseskälte schlug uns entgegen. Diese Klimaanlage meinte es wirklich sehr gut mit uns. Ein Schnupfen schien vorprogrammiert.