Liselene

Schlank, ziemlich blau, mit leichten Abschürfungen, so lag sie am Strand, von den Ausläufern der Brandung umspült. Ihren Namen hatte sie von Anulas  Bruder! Der wiederum hatte ihn von einer Touristin, mit der er wohl ein kleines Techtelmechtelchen hatte, geliehen und ihm seiner Lebensgefährtin angedeihen lassen. Lebensgefährtin, na ja, Abschnittsgefährtin! Sie wurden bei ihm nie älter als höchstens zehn Jahre! Dann waren sie auf, zerschunden, meschand, einfach  hinüber! Kein Wunder, sie mussten auch einiges aushalten, abends musste  sie, egal bei welchem Wetter, raus in die manchmal vier Meter hohen Brandungswellen. Geschubst, gestoßen, über den Sand geschliffen, zu zweit besprangen sie sie, manchmal auch zu dritt, dabei wirkte sie so zerbrechlich, schlank. Sie nahm es mit Gelassenheit, Routine. Ihre Ausleger waren geflickt und nur mit Sisalstricken zusammengebunden. Der kleine Mast aus einem rohen, grob gehobeltem undefinierbarem Holz hielt einen Fetzen, Segel konnte man es nicht nennen, aus Kattun oder ähnlichem Stoff. Beladen mit Netzen, Haken und einer Kerosinlampe, wiederholte sich dieser Vorgang fast jeden Abend. Sunil, so hieß der Bruder Anluas, schob, zerrte den kleinen Nachen in die Brandung, sprang in diese Nussschale, die Helfer hinterher, alle eine Ganja-Kippe zwischen den Lippen, oder wenn das Geld knapp war eben nur eine Betelnuss kauend  und schossen über die brüllende Brandungswelle hinaus aufs Meer. Vor dem Morgengrauen würden sie nicht wieder an Land sein.

Liselene ist ein Fischerboot, wie es schon seit Jahrhunderten in dieser Form  gebaut wird. Ein ausgehöhlter  Baumstamm, ca. 5 bis 6m lang und 50 cm hoch . Die Breite liegt auch  bei ungefähr  50cm. Um dieser  Nussschale Stabilität zu verleihen befestigt man einen Ausleger, oder auch zwei an den Seiten. Ja das war es schon. Mit so einem winzigen Boot auf dem Ozean fischen zu gehen erfordert  Mut, sehr viel davon. Jedes Jahr kommen Menschen durch diese Art der Fischerei ums Leben.

Heute war ein Poya-Day, Vollmondnacht und sie konnte am Strand liegen und sich von der letzten Fischfangtour erholen. Wir saßen  dann    auf ihren Auslegern und beobachteten den Sonnenuntergang. Sunil mit einer Flasche Arrak, wir mit Three Coins, (Bier)  und einem Glas, in dem der schwarzgebrannte Fusel mit dem Bier gemischt wurde und genossen den Abend. Hierbei ging das Glas reihum Bei meinem nächsten Besuch war Liselene nicht mehr da und Sunil, so hieß es, sei nach Colombo gefahren und hatte sich bei einer Fischfabrik Arbeit gesucht.